Die Retter mit der kalten Schnauze
Dienstag, 5. April 2005
Die Rettungshundestaffel Südwestfalen aus Kreuztal ist bald einsatzfähig

cris. Kreuztal. Ringo kann es kaum erwarten: Sein massiger Körper ist angespannt und als er endlich von der Leine gelassen wird, schnellt  er los wie ein geölter Blitz: "Such und hilf!" Nur Sekunden vergehen vergehen, bis er sein Ziel gewittert und erreicht hat: Am Boden liegt, auf den ersten Blick nicht sichtbar, eine Frau. Der riesige Schäferhund fängt sofort an zu bellen, hält aber gebührenden Abstand, um die fremde Person nicht noch mehr zu verängstigen. Erst, als er seine wohlverdiente Belohnung in Form eines Leckerlis in Empfang nehmen kann, stellt Ringo seinen lautstarken, markerschütternden Bellalarm wieder ein.

Ringo hat gerade jemanden gerettet. Nur übungshalber, versteht sich. Annette Denker-Blach ist putzmunter und das muss die Vorstandsvorsitzende und Ausbildungswartin der Rettungshundestaffel Südwestfalen auch sein. Zusammen mit Ute Rühl im Februar 2002 gegründet, wurde die Staffel schnell zu einem Hobby. Zweimal in der Woche treffen sich die mittlerweile 13 Mitglieder mit ihren 9 Hunden unterschiedlicher Rassen für einige Stunden, um den Ernstfall zu proben. Oft trainieren sie auf einem Wiesenstück in Ferndorf, außerdem stehen noch Waldstücke in der Junckernhees und in Müsen sowie andere Trainingsgelände zur Verfügung. Auf Wippen, Brettern, Leitern und sonstigen unangenehmen Untergründen wird die Trümmersuche simuliert, die Koordinationsfähigkeit der Tiere trainiert. Die ist vor allem beim Einsatz in Katastrophengebieten gefragt. „Einige Teams des Bundesverbands Rettungshunde waren sogar nach den großen Erdbeben im Iran bei der Suche dabei"  gibt Annette Denker-Blach Auskunft.

Bis zu so einem „ Auslandseinsatz“ ist es allerdings noch ein weiter Weg. Erst zwei Hunde haben die Vorprüfung bestanden, denn die Ausbildung zum Rettungshund dauert mindestens zwei Jahre und stellt hohe Anforderungen an Mensch und Tier. So muss, wer Hundeführer werden will, Erste-Hilfe-Kenntnisse vorweisen, sich mit Karte und Kompass in schwierigem Gelände, oft auch bei Nacht orientieren können und einige Prüfungen in Theorie und Praxis ablegen, bis er mit seinem „Partner auf vier Pfoten“ als Rettungshunde-Team anerkannt wird. „Sobald wir drei geprüfte Hunde haben, sind wir einsatzfähig, „freut sich die Vorsitzende. Bis dahin wird fleißig geübt, und dafür geht eine Menge Zeit drauf – Zeit, die niemand entlohnt, denn die Arbeit ist ehrenamtlich. Mehrere Wochenenden im Jahr verbringen die Mitglieder der Hundestaffel bei Ausbildungsveranstaltungen oder besuchen befreundeter Staffeln, um dort zu trainieren.

Bei all der Arbeit steht aber trotzdem die Freundschaft zwischen Mensch und Tier im Vordergrund. Dass die Tiere Spaß an der Bewegung haben und dankbar sind für geistige und körperliche Herausforderungen, sieht man ihnen an. Die kleine Mischlingsdame Inca balgt sich fröhlich mit Kim, der betagten Windhündin, und Nesthäkchen Ninja macht ihrem Namen alle Ehre, als sie aufgeregt auf den elfjährigen Marvin Westheide zuläuft, der mit seinen Eltern regelmäßig am Training teilnimmt. Ihn bringt das permanente Bellen der aufgeweckten Hundestaffel schon lange nicht mehr aus der Ruhe.

Hierzulande wird die Rettungshundestaffel wohl bevorzugt zur Flächensuche herangezogen werden. „Es sind vor allem ältere Menschen, die sich beim Spaziergang verirren, oder Pilzsammler, die den Rückweg nicht mehr finden. Allerdings wird man auch von der Polizei oder der Feuerwehr alarmiert, wenn Suizidgefährdete einen Brief hinterlassen haben und spurlos verschwunden sind. Das entsprechende Gebiet wird systematisch mit den Hundeteams durchsucht, 20 000 bis 30 000 Quadratmeter durchkämmt ein Hund auf diese Weise in einer halben Stunde. Glöckchen an der roten Kenndecke dienen zur Orientierung für die Hundeführer. Totales Vertrauen ist oberstes Gebot zwischen Mensch und Tier: Die menschlichen Teammitglieder müssen sich darauf verlassen können, dann ihr Hund wirklich jeden Menschen im Suchgebiet anzeigt und solange bellt, bis der Hundeführer bei ihm ist. Schließlich geht es, um das betonen alle noch einmal einstimmig, oft um Leben und Tod.

 

Regelmäßiges Probetraining

Wer sich also der Staffel anschließen möchte, sollte sich des Zeitaufwands und der Verantwortung bewusst sein, auf die er sich einlässt. Bei Hunden sollte die Ausbildung so früh wie möglich beginnen, vor allem sollten sie nicht zu schwer oder zu ängstlich sein. Für Interessenten gibt es an jedem ersten Samstag im Monat ein Probetraining. Auch „neue Opfer“, die sich nicht davor scheuen auf dem Waldboden einen Verletzten zu mimen, sind immer herzlich willkommen.